Geschichte des Hauses

 

Seit August 2009 hat die Frühförder- und

Beratungsstelle der Lebenshilfe Merseburg

gemeinnützige Gesellschaft mbH in der
ehemaligen Villa Eichhornin Merseburg

einen festen Standort gefunden

 

 

 

Auguste Günther, geboren am 01.04.1849, war die Tochter

des FleischermeistersFriedrich August Günther in

Volkmarsdorf bei Leipzig. Durch Vertrag vom 16.06.1867

wurde sie von Ihrer Tante Maria Dorothea verw. Rummel, einer

Schwester ihres Vaters,adoptiert. Diese starb am 28.09.1880 und

hatte Auguste zur alleinigen Erbin ihresbeträchtlichen Vermögens

eingesetzt, da ihre einzige Tochter jung und kinderlos gestorben war.

 

 

Hugo Eichhorn war am 27.02.1847 als

Sohn des Stellmachmeisters Carl Gottlob Eichhorn

in Merseburg geboren worden

 

 

 

Am 16.08.1869 wurde im “Goldenen Arm” neben dem alten Rathaus in Merseburg, dem 1. Haus am Platze, die

Hochzeit von Hugo Eichhorn und Auguste Günther gefeiert.

 

Das junge Ehepaar wohnte zunächst im

Hause der “Tante Rummel” am Markt 11, wo

vier seiner fünf Kinder zur Welt kamen.

 

 

 

Hugo Eichhorn, der zuerst als Handlungsreisender tätig war, begründete

noch im Jahr der Hochzeit 1869 mit erst 22 Jahren sein Handelsgeschäft

mit Getreide und Düngemitteln in einer vor dem Gotthardtor gepachteten Scheune.

 

 

 

Am 07.02.1870 wurde seine Firma in das Handelsregister

eingetragen. Er hat es wohl verstanden, sich die Zeichen der Zeit zunutze

zu machen, als der Gebrauch von künstlichem Dünger wie Peru Guano

und Chili Salpeter einen großen Aufschwung erlebte. Am 01.06.1877

übernahm er das Getreide- und Producentengeschäft C. Zaulich.

 

 

Die immer umfangreicher werdenden Geschäfte machten schließlich

1877/78 Erweiterungsbauten mit Bahnanschluss notwendig.

Daneben entstand das schöne neue Wohnhaus in der Lauchstädter Straße

mit Speicher, Pferdestall, Wagenremise und Kutscherwohnung

 

Die zwei Töchter und drei Söhne verlebten in dem großzügigen Haus eine sorglose Kindheit und Jugendzeit. Mitte der 80er Jahre bekam der Garten seinen endgültigen Umfang und wurde als Park gestaltet.

                    

 

 

Mitte der 80er Jahre bekam der Garten seinen endgültigen Umfang und wurde als Park gestaltet

 

 

Während des Kaisermanövers vom 14.-20.09.1883 wurde Graf von Moltke im Hause beherbergt, dessen Portrait fortan den Schreibtisch des Herrn Eichhorn zierte.

Neben seinen Geschäften war Hugo Eichhorn auch im städtischen Interesse eifrig tätig. Schon in jungen Jahren wurde er Stadtverordneter und später Stadtrat, welches Amt er bis zum Jahre 1911 innehatte.

Seit 1882 war er Mitglied der Handelskammer in Halle, später Handelsrichter in der Kammer für Handelssachen am Landgericht Halle.

Am 30.09.1909 wurde ihm vom preußischen König das Patent als Kgl. Kommerzienrat verliehen.

Besonders bemüht war Hugo Eichhorn um die Verschönerung der Stadt als Mitglied des Verschönerungsvereins. 1909 entschloss er sich zu einer Schenkung von 3,4 Hektar Land für die Erweiterung des Stadtparks an die Stadt, die ihm zu Ehren dort einen Gedenkstein an der Eisenquelle errichtete.

Nach einer langen Zeit des Verfalls ist dieser Gedenkstein am Saale-Radwanderweg vor einigen Jahren sehr schön wiederhergestellt worden.

Neben dem eigentlichen Kerngeschäft wurden im Laufe der Jahre noch weitere Firmen erworben, darunter eine Ziegelei am “Teufelstümpel”, die dann 1935 dem Bau des Mittellandkanals weichen musste.

Dazu gehörte auch die Firma Groß & Co., eine Essenzenfabrik in der Luisenstraße 18 (jetzt Rosa-Luxemburg-Straße), in der Walter Eichhorn als Chemiker sein ganzes Berufsleben lang tätig war.

Nach dem Tode Hugo Eichhorns am 10.10.1912 wurde das Grabmal für das Erbbegräbnis auf dem Stadtfriedhof bei dem Bildhauer Hans Damann in Berlin-Grunewald bestellt.

Es ist im Krieg teilweise beschädigt worden.

Frau Auguste Eichhorn hat ihren Mann um 10 Jahre überlebt. Sie war die gute Seele des großen Haushalts.

Auf seinen vielen großen Reisen, die ihn bis zum Nordkap und in den Orient führten, hat sie ihn selten begleitet, da sie sich zu Hause für unabkömmlich hielt.

Am 08.05.1922 ist sie gestorben.

Im Haus muss es dann sehr still geworden sein. Bereits 1891 hatte die älteste Tochter Marie geheiratet, 1894 die Tochter Grete und Carl Eichhorn hatte sich mit seiner Familie in Leipzig niedergelassen. Nur die beiden unverheiratet gebliebenen Söhne Hans Eichhorn (22.08.1876-30.06.1950), Oberregierungsrat und Georg Eichhorn (29.11.1879-06.07.1946), Kaufmann bewohnten das Haus in der Lauchstädter Straße noch bis zum Kriegsende 1945.

Georg hat das Geschäft weitergeführt, bis es aufgrund von Kriegsschäden 1944 eingestellt werden musste.

Am 29.09.1948 ist die Firma Hugo Eichhorn im Handelsregister gelöscht worden.

Am 14.04.1945 ist durch den “Volkssturm” in einer sinnlosen Aktion der Speicher zerstört worden, in welchem auch die geschäftspapiere seit 1869 aufbewahrt wurden. Deshalb sind nur wenige Dokumente erhalten geblieben.

Hans Eichhorn hat nach dem Tode seines Bruders Georg 1946 ein “Gedanken und Erinnerungen” überschriebenes Tagebuch geführt, dem die meisten Angaben entnommen wurden.

Er war ab 1922 als Dezernent und späterer Oberregierungsrat bis 1945 in der Merseburger Regierung tätig und legte Wert darauf zu betonen, dass er niemals Mitglied der Nazi-Partei geworden ist, obwohl er als Beamter dafür geworben wurde.

Das große Vermögen, dass Hugo Eichhorn sich in wenigen Jahrzehnten als umsichtiger Geschäftsmann erwerben konnte, ist wohl ohne persönliches Verschulden der Beteiligten infolge von zwei verheerenden Kriegen ebenso schnell wieder zerronnen. Geld war unter anderem in Pachtland angelegt worden, das durch die Bodenreform verlorenging.

Die Villa, die von Bomben verschont geblieben war, wurde 1945 zuerst von Amerikanern und dann von den Russen als Quartier für Offiziere beschlagnahmt.

Die beiden Brüder haben bis zu ihrem Tode eine kleine Wohnung in der Albrecht-Dürer-Straße bewohnt. Nach dem Tode von Hans Eichhorn ging der letzte Rest der Erbes in viele kleine Teile. Die Villa wurde von der Erbengemeinschaft Anfang der 50er Jahre an die Stadt verkauft.

 

Text und Bildmaterial aus der Chronik wurden zur Verfügung gestellt von Frau Rosemarie Bährmann, einer Urenkelin von Familie Eichhorn.