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Hallo auf diesem Weg, lieber Herr Hammerl,                                

im August 2009 bezogen wir, die Mitarbeiterinnen der Frühförder –und Beratungsstelle der Lebenshilfe Merseburg gemeinnützige GmbH, das ehemalige Pionierhaus in Merseburg.

Den meisten Merseburgern ist es unter diesem Namen noch ein Begriff, unter dem eigentlichen Namen “Villa Eichhorn“ war es so gut wie keinem bekannt.

Hugo Eichhorn,* 27.02.1847 war zunächst Handelsreisender, begründete im Jahr seiner Hochzeit  1869 mit Auguste, sein Handelsgeschäft mit Getreide und Düngemitteln in einer, vor dem Gotthardttor in Merseburg, gepachteten Scheune.

Die schöne Stadtvilla  in der Lauchstädterstraße, mit Speicher, Pferdestell, Wagenremise und Kutscherwohnung und einer großen Parkanlage wurde, aufgrund gutlaufender, immer umfangreicher werdenden Geschäfte, im Jahre 1877 erbaut.  Zwei Töchter und drei Söhne verlebten in dem großzügigen Haus eine sorglose Kindheit (mehr darüber zu lesen unter www.lebenshilfe-merseburg.de).

Nach einer voran gegangenen, aufwendigen aber auch konsequent durchgeführten Renovierung und Restauration der Räume  in den Jahren 2007-2009 haben wir uns entschieden, dem Haus seine Geschichte wiederzugeben. Speziell der alte Salon und das ehemalige Herrenzimmer wurden mit antiken Möbeln so eingerichtet und ausgestaltet, wie sie zu dieser Zeit gebaut wurden, so dass sie dem Charakter der damaligen Zeit Rechnung tragen.

Der Spagat bestand darin, einerseits die Geschichte des Hauses und seinen damaligen Bewohnern zum Ausdruck zu bringen, andererseits aber auch den Mitarbeiterinnen der Frühförderstelle gute Arbeitsmöglichkeiten zu bieten.

Wir haben Ihre Bilder, mit vorwiegend Merseburger Motiven, in einer Gaststätte in Merseburg gefunden. Bilder an den Wänden hatten wir noch keine und einem Impuls folgend, haben wir nach dem Namen des Malers gefragt. Sie waren sofort bereit, uns 25 Ihrer Bilder als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.

Familie Eichhorn war eine Merseburger Familie, die sich seinerseits sehr für die städtischen Interessen und für die  Verschönerung der Stadt eingesetzt hat.

Auf den Gemälden waren Landschaften in und um Merseburg zu sehen, aber auch alte historische  Gebäude wie der Dom, die Neumarktkirche…, vieles davon war auch Familie Eichhorn zur  damaligen Zeit bestimmt bestens bekannt und vertraut.

Die Villa wurde durch die Bilder in den Fluren bunter, wärmer und auch interessanter. Jeder Besucher unserer Frühförderstelle zeigte sich begeistert. Immer wieder wurde erwähnt, dass die gewählten Farben und Farbkombinationen, die Art und Weise, wie die Motive dargestellt wurden, auf eine tiefe Verbindung  und eine Leidenschaft des Künstlers zu seiner Tätigkeit, das Malen, schließen lassen.

Das ist nun schon wieder zwei Jahre her. Ein Bild sollte in eine andere Ausstellung und es ergab sich die Frage, nach einem generellen  Austausch der Bilder mit Themenwechsel. Ich bat Sie darum, einige  ausgesuchte Bilder aus der alten Ausstellung weiter „leihen“ zu dürfen und Sie hatten nicht dagegen. Im Gegenteil, dafür vielen lieben Dank!

Nun schmücken die  Wände Bilder mit maritimen Flair.  Unter vielen anderen sind die Ostseeküsten von Usedom und dem schönen Darß ebenso vertreten, wie die Küsten von Capri und von Amalfi.  

Schon im Treppenaufgang spürt man die erfrischende Wirkung der Farben, gerade in diesen heißen Sommertagen.

Nicht nur wir Mitarbeiterinnen, auch  die  Eltern und deren Kinder, die zur Frühförderung unsere Räumlichkeiten aufsuchen, empfinden diese Leihgabe als Wertschätzung und Inspiration.

Lieber Herr Hammerl, diesen Brief möchte ich mit einem dicken Dankeschön an Sie und Ihre Kunst beenden. Ich weiß, dass das Malen für Sie auch Ausgleich und Abstand von dem, manchmal auch sehr problematischen Alltag, ist.

Wir wünschen Ihnen immer einen Platz in dieser Nische und würden uns freuen, wenn wir auch weiterhin in Verbindung bleiben.

Katrin Moses

Leiterin

Interdisziplinären Frühförder-und Beratungsstelle


Seit August 2009 hat die Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe Merseburg gGmbH in der ehemaligen Villa Eichhorn in Merseburg einen festen Standort gefunden.

Auguste Günther, geboren am 01.04.1849, war die Tochter des Fleischermeisters Friedrich August Günther in Volkmarsdorf bei Leipzig. Durch Vertrag vom 16.06.1867 wurde sie von Ihrer Tante Maria Dorothea verw. Rummel, einer Schwester ihres Vaters, adoptiert. Diese starb am 28.09.1880 und hatte Auguste zur alleinigen Erbin ihres beträchtlichen Vermögens eingesetzt, da ihre einzige Tochter jung und kinderlos gestorben war.

Hugo Eichhorn war am 27.02.1847 als Sohn des Stellmachmeisters Carl Gottlob Eichhorn in Merseburg geboren worden.

Am 16.08.1869 wurde im "Goldenen Arm" neben dem alten Rathaus in Merseburg, dem 1. Haus am Platze, die Hochzeit von Hugo Eichhorn und Auguste Günther gefeiert.

Das junge Ehepaar wohnte zunächst im Hause der "Tante Rummel" am Markt 11, wo vier seiner fünf Kinder zur Welt kamen.

 

Hugo Eichhorn, der zuerst als Handlungsreisender tätig war, begründete noch im Jahr der Hochzeit 1869 mit erst 22 Jahren sein Handelsgeschäft mit Getreide und Düngemitteln in einer vor dem Gotthardtor gepachteten Scheune.

Am 07.02.1870 wurde seine Firma in das Handelsregister eingetragen. Er hat es wohl verstanden, sich die Zeichen der Zeit zunutze zu machen, als der Gebrauch von künstlichem Dünger wie Peru Guano und Chili Salpeter einen großen Aufschwung erlebte.

Am 01.06.1877 übernahm er das Getreide- und Producentengeschäft C. Zaulich.

 

Die immer umfangreicher werdenden Geschäfte machten schließlich 1877/78 Erweiterungsbauten mit Bahnanschluss notwendig. Daneben entstand das schöne neue Wohnhaus in der Lauchstädter Straße mit Speicher, Pferdestall, Wagenremise und Kutscherwohnung.

Die zwei Töchter und drei Söhne verlebten in dem großzügigen Haus eine sorglose Kindheit und Jugendzeit. Mitte der 80er Jahre bekam der Garten seinen endgültigen Umfang und wurde als Park gestaltet.

Während des Kaisermanövers vom 14.-20.09.1883 wurde Graf von Moltke im Hause beherbergt, dessen Portrait fortan den Schreibtisch des Herrn Eichhorn zierte.

Neben seinen Geschäften war Hugo Eichhorn auch im städtischen Interesse eifrig tätig. Schon in jungen Jahren wurde er Stadtverordneter und später Stadtrat, welches Amt er bis zum Jahre 1911 innehatte.

Seit 1882 war er Mitglied der Handelskammer in Halle, später Handelsrichter in der Kammer für Handelssachen am Landgericht Halle.

Am 30.09.1909 wurde ihm vom preußischen König das Patent als Kgl. Kommerzienrat verliehen.

Besonders bemüht war Hugo Eichhorn um die Verschönerung der Stadt als Mitglied des Verschönerungsvereins. 1909 entschloss er sich zu einer Schenkung von 3,4 Hektar Land für die Erweiterung des Stadtparks an die Stadt, die ihm zu Ehren dort einen Gedenkstein an der Eisenquelle errichtete.

Nach einer langen Zeit des Verfalls ist dieser Gedenkstein am Saale-Radwanderweg vor einigen Jahren sehr schön wiederhergestellt worden.

Neben dem eigentlichen Kerngeschäft wurden im Laufe der Jahre noch weitere Firmen erworben, darunter eine Ziegelei am "Teufelstümpel", die dann 1935 dem Bau des Mittellandkanals weichen musste.

Dazu gehörte auch die Firma Groß & Co., eine Essenzenfabrik in der Luisenstraße 18 (jetzt Rosa-Luxemburg-Straße), in der Walter Eichhorn als Chemiker sein ganzes Berufsleben lang tätig war.

Nach dem Tode Hugo Eichhorns am 10.10.1912 wurde das Grabmal für das Erbbegräbnis auf dem Stadtfriedhof bei dem Bildhauer Hans Damann in Berlin-Grunewald bestellt.

Es ist im Krieg teilweise beschädigt worden.

Frau Auguste Eichhorn hat ihren Mann um 10 Jahre überlebt. Sie war die gute Seele des großen Haushalts.

Auf seinen vielen großen Reisen, die ihn bis zum Nordkap und in den Orient führten, hat sie ihn selten begleitet, da sie sich zu Hause für unabkömmlich hielt.

Am 08.05.1922 ist sie gestorben.

Im Haus muss es dann sehr still geworden sein. Bereits 1891 hatte die älteste Tochter Marie geheiratet, 1894 die Tochter Grete und Carl Eichhorn hatte sich mit seiner Familie in Leipzig niedergelassen. Nur die beiden unverheiratet gebliebenen Söhne Hans Eichhorn (22.08.1876-30.06.1950), Oberregierungsrat und Georg Eichhorn (29.11.1879-06.07.1946), Kaufmann bewohnten das Haus in der Lauchstädter Straße noch bis zum Kriegsende 1945.

Georg hat das Geschäft weitergeführt, bis es aufgrund von Kriegsschäden 1944 eingestellt werden musste.

Am 29.09.1948 ist die Firma Hugo Eichhorn im Handelsregister gelöscht worden.

Am 14.04.1945 ist durch den "Volkssturm" in einer sinnlosen Aktion der Speicher zerstört worden, in welchem auch die geschäftspapiere seit 1869 aufbewahrt wurden. Deshalb sind nur wenige Dokumente erhalten geblieben.

Hans Eichhorn hat nach dem Tode seines Bruders Georg 1946 ein "Gedanken und Erinnerungen" überschriebenes Tagebuch geführt, dem die meisten Angaben entnommen wurden.

Er war ab 1922 als Dezernent und späterer Oberregierungsrat bis 1945 in der Merseburger Regierung tätig und legte Wert darauf zu betonen, dass er niemals Mitglied der Nazi-Partei geworden ist, obwohl er als Beamter dafür geworben wurde.

Das große Vermögen, dass Hugo Eichhorn sich in wenigen Jahrzehnten als umsichtiger Geschäftsmann erwerben konnte, ist wohl ohne persönliches Verschulden der Beteiligten infolge von zwei verheerenden Kriegen ebenso schnell wieder zerronnen. Geld war unter anderem in Pachtland angelegt worden, das durch die Bodenreform verlorenging.

Die Villa, die von Bomben verschont geblieben war, wurde 1945 zuerst von Amerikanern und dann von den Russen als Quartier für Offiziere beschlagnahmt.

Die beiden Brüder haben bis zu ihrem Tode eine kleine Wohnung in der Albrecht-Dürer-Straße bewohnt. Nach dem Tode von Hans Eichhorn ging der letzte Rest der Erbes in viele kleine Teile. Die Villa wurde von der Erbengemeinschaft Anfang der 50er Jahre an die Stadt verkauft.

 

Text und Bildmaterial aus der Chronik wurden zur Verfügung gestellt von Frau Rosemarie Bährmann, einer Urenkelin von Familie Eichhorn.