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Bevor ich anfange zu schreiben .... ist mir eine ausführliche Recherche wichtig.

Internet – Bücher – Gespräche...

Etwas schriftlich festhalten und ausformulieren, was nicht zum Alltag gehört…, worüber man nachdenken muss…

Aber erst mal in den Urlaub fahren.

Doch schon auf der Autobahn die erste Erinnerung – ein großes Schild -

"Auf Wiedersehen in Sachsen – Anhalt! Ursprungsland der Reformation."

 

Eigentlich hätte ich diesen "freundlichen Gruß" überlesen, aber an dieser Stelle kam sofort die Erinnerung an meine „kleine Hausaufgabe“.

Also begann ich, meinem Mann davon zu erzählen.

Im Auto entspann sich eine Diskussion über diesen Martin Luther, wer er war, in welcher Zeit er gelebt hat, was seine 95 Thesen beinhalten, was Reformation bedeutet und inwiefern das alles mit der heutigen Zeit und uns selber zu tun hat.

Eine Woche später noch so ein komischer Zufall. Aus privaten Gründen musste ich für einen Tag und eine Nacht nach Eisenach fahren.

Zeit, um die Wartburg zu besuchen, in der Luther 1 Jahr gelebt hat, hatte ich leider nicht. Aber die ganze Stadt hat an die 500 Jahr – Feier der Reformation erinnert.

Überall hingen rote Banner mit Sätzen, die Martin Luther einmal gesagt haben soll...

„Anstrengungen machen gesund und stark“ (soso…). "Niemand kann in der Welt ohne Sünde sein." (Ach....?!), "Woran dein Herz hängt, das ist dein Gott".... " (So?) „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über." (Stimmt!)

 

Im Buchladen eine Menge Bücher über die Reformation, die Wartburg, das Leben von Martin Luther.

Ein Buch für Kinder "Der neugierige Junge, der die Welt erschütterte" – Lilly und Nikolas auf Luthers Spuren... weckte meine besondere Aufmerksamkeit. Hoffte ich doch, hier noch mehr Informationen (in einfacher Sprache ...) zu finden.

Ich fand das Buch sehr interessant und habe es an einem Tag durchgelesen. Ich weiß jetzt alles über "diesen neugierigen kleinen Jungen, der Augustinermönch und schließlich Reformator geworden ist, dessen Einfluss noch heute spürbar ist – nicht zuletzt in unserem Schulsystem und unserer Sprache."

Aber das hat noch lange nicht die Frage beantwortet, ob ich ein Reformator bin....

Die Erläuterung zum Begriff "Reformation" im Internet (Erneuerung/ Wiederherstellung) und alle weiteren Seiten, die ich geöffnet habe, fand ich sehr verwirrend.

Es stand nicht nur Gutes über Martinus Luder (sein Geburtsname) auf den Seiten. Man sagt, er war auch ein sehr widersprüchlicher Mensch.

Es wurde sogar die Frage gestellt, "warum die ach so progressive evangelische Kirche diesen widerlichen Mann,...., nicht kritisch aufarbeitet – oder zumindest in alt bekannter Manier unauffällig unter den Tisch kehrt – das bleibt völlig unklar. So eine abscheuliche Person über ein Jahrzehnt lang feiern...echt jetzt?"

Fakt ist: ich habe eine Menge dazu gelernt und erfahren. Und ich könnte jetzt noch eine Menge über das Lebenswerk des Martin Luther schreiben. Aber das ist ja nicht das Ziel dieses Berichtes.

Ich wollte herausfinden, ob ich ein Reformator bin!

Martin Luther hat in seinem Leben viel bewirkt und erreicht. Die 95 Thesen... die Übersetzung des Neuen Testaments in nur 11 Wochen ... nur, um diese Beispiele zu nennen.... er hat Rechtswissenschaften studiert, ist später Mönch geworden, er spielte die Laute und sang Lieder, die er selber schrieb, er legte tausende Kilometer zu Fuß zurück, um in vielen Städten Mitteldeutschlands zu predigen, lief sogar bis Rom.... usw.

Luther war ein sehr aufmerksamer, wissbegieriger, fleißiger und strebsamer Mensch, der für die Menschen nur das Beste wollte.

Er ist Teil der deutschen Geschichte, es war spannend, mehr über seinen Lebenslauf und um seine Verdienste um die deutsche Sprache zu erfahren....

 

Aber, mag es daran liegen, dass das alles schon 500 Jahre zurück liegt oder sein Handeln und Tun sehr viel mit dem Glauben und der Kirche zu tun hat (ich bin schon vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten)....

Es fällt mir schwer, Vergleiche zu ziehen zu der heutigen Zeit, zu meinem eigenem Leben, egal, ob beruflich oder privat!

Aber! Ich bewundere das große Engagement Luthers, die enorme Energie und die intensive Auseinandersetzung mit Themen, die ihn bewegten.

 

Immer das Beste zu tun für die Menschen, die ich liebe, mit denen ich zusammen arbeite oder für die ich in meiner Funktion als Leiterin einer integrativen Kita verantwortlich bin.

Mal etwas verändern, was mir nicht gefällt oder dafür sorgen, dass „Gutes“ erhalten bleibt:

Das liegt mir sehr am Herzen.

Und dafür alles zu geben, meine ganze Kraft einzusetzen .... so wie Martin Luther.... - das bereitet mir viel Freude.

 

Aber bin ich deshalb ein Reformator?

 

Abschließend noch eine Aussage Luthers, die ich cool finde und mit der ich mich sehr gut identifizieren kann:

 

„Musik ist ein reines Geschenk (und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel),

sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster!“

 

Ich glaube, diesen Spruch könnte ich in meinem Büro an die Wand drucken lassen!

 

 

Gabriele Schendel