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Seit Mai 2013 hat die Ihnen bekannte Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe Merseburg gemeinnützige GmbH ihr Leistungsspektrum von einer heilpädagogischen zu einer interdisziplinären Frühförderstelle im Landkreis Saalekreis erweitert.
Das heißt, dass neben den gewohnten heilpädagogischen Leistungen, nun auch ergänzend medizinisch-therapeutische Leistungen angeboten werden.

Die Komplexleistung Frühförderung ist ein interdisziplinäres Gesamtsystem von spezifischen Einzelleistungen, aus den medizinisch/therapeutischen, sozialen und/oder psychisch/pädagogischen Bereichen für Kind, Familie und deren Lebenswelt und schließt ambulante und mobile Förderung und Beratung ein.
In der Komplexleistung werden die Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und heilpädagogische Leistungen konzeptionell integriert und organisatorisch zusammengeführt.
Das Angebot der „Komplexleistung Früherkennung und Frühförderung“ ist ein wichtiges Hilfsangebot für Kinder, die eine Behinderung haben oder davon bedroht sind. Sie richtet sich an Kinder vom Säuglings- bis zum Schulalter. Dort erhalten Kinder und Eltern alle Leistungen aus einer Hand.
Die Kinder können in unserer interdisziplinären Frühförderstellen als offenes und niedrigschwelliges Angebot, direkt von ihren Eltern vorgestellt werden, auch auf Veranlassung von niedergelassenen Kinderärzten, von Ärzten des Gesundheitsamtes, auf Empfehlung von Therapeuten, Psychologen und Pädagogen.
Das Ergebnis der interdisziplinären Eingangsdiagnostik ist ein Förder- und Behandlungsplan, der in Abstimmung mit den Eltern und Bezugspersonen des Kindes, die notwendigen Festlegungen zu Art und Umfang der notwendigen Hilfe enthält und der sich an interdisziplinären Zielen im Sinne der ICF orientiert.
Wenn die Untersuchungen ergeben, dass das Kind im Sinne der Komplexleistung gefördert und behandelt werden soll, erhält es aus dem medizinisch/therapeutischen Fachbereich je nach Befund entweder Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie. Bei Bedarf wird das Kind auch mit zwei Therapiearten behandelt.
Bei der Feststellung eines Förderbedarfes eines Kindes im Sinne einer Komplexleistung stehen wir, die Interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe Merseburg GgmbH, dem Kind und dessen Familie als Förderer in einem interdisziplinären Team zur Verfügung.
In der Interdisziplinären Frühförderstelle Merseburg arbeiten folgende Professionen zusammen: Heilpädagogik, Sozialpädagogik, Logopädie und Ergotherapie. Kooperationen mit weiteren physio-, ergo- sowie logopädischen Praxen im Landkreis runden die interdisziplinäre Zusammenarbeit ab.
Alle Fachdisziplinen arbeiten mit der Familie gemeinsam und sind im Interesse des Kindes tätig.
Durch regelmäßige interdisziplinäre Fallgespräche wird der Förder- und Behandlungsplan fortlaufend überprüft, dokumentiert und gegebenenfalls abgeändert.
In der Verlaufsdiagnostik (in der Regel nach einem Jahr) wird der Entwicklungsstand des Kindes durch standardisierte Testverfahren erneut überprüft. Die Ergebnisse und daraus sich ergebene neue Ziele werden in einem weiteren Förderplan festgeschrieben.
Familienorientierte Frühförderung erweist sich nur als eine wirkliche Hilfe für das Kind, wenn die gesamte Tätigkeit aller an der Frühförderung beteiligten Fachdisziplinen sowohl in Diagnostik als auch in den praktischen Vorgehensweisen/Förderungen koordiniert ist.
Wenn ein Kind Frühförderung im Sinne einer Komplexleistung erhält, ist es wichtig dass die Hilfen abgestimmt werden und ein guter Informationsaustausch zwischen den Therapeuten und Pädagogen besteht.
Therapeuten und Pädagogen sind Experten in unterschiedlichen Bereichen, die sich einander ergänzen. Das Wissen und Können jeder Fachkraft ist für das jeweilige Kind und seine Entwicklung gut und wichtig. Es geht um Austausch, Dialog und gemeinsame Planung.
Die Gründe warum Kinder Frühförderung erhalten sind vielfältig, zum Beispiel allgemeine Entwicklungsverzögerung, Schwierigkeiten aufgrund einer Frühgeburt, Verhaltensauffälligkeiten, Syndrome oder Beeinträchtigungen durch Geburtsschäden.
Durch die heilpädagogische Förderung der Kinder in der Frühförderung lassen wir die Kinder mit ausgewählten Spielangeboten Erfahrungen machen, die für andere Kinder mit einer altersgerechten Entwicklung selbstverständlich sind. Die Frühförderin führt die Kinder behutsam an Dinge heran, die andere Kinder in diesem Alter tun, ohne sie zu überfordern.
Das Kind wird durch das Spiel gefördert, weil Spielen die Weise ist, in der das Kind sich die Umwelt erschließt und lernt. Im heilpädagogischen Spiel fördern die Fachkräfte der Frühförderung folgenden Bereiche: soziale Fähigkeiten, Kommunikation, Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen, Problemlöseverhalten, Wahrnehmung, Konzentration /Ausdauer, logisches Denken und Merkfähigkeit und motorische Fähigkeiten.
Die Frühförderin hilft z. Bsp. frühgeborenen Kindern, die Folgen der Frühgeburt auszugleichen und die Beziehung zwischen Mutter und Kind zu stärken. Im Fokus können Probleme in der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit oder einer Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen stehen. Die Frühförderin hilft den Kindern mit gezielten Berührungen und Spielen diese Zeit nachzuholen.
Eltern werden durch die Frühförderin in schwierigen Situationen begleitet, finden fachkundige Ansprechpartner und optimale Unterstützung.
Die physiotherapeutische Behandlung befasst sich mit der Therapie und Förderung in dem Bereich Motorik, Wahrnehmung, Selbstständigkeit im Handeln und psychoemotionale Entwicklung.
Die Physiotherapie verfolgt das Ziel, die Kinder in ihrer motorischen, sensorischen und psychomotorischen Entwicklung zu unterstützen und zu stabilisieren.
Durch die physiotherapeutischen Behandlungen lernen Kinder z. Bsp. zu krabbeln und zu laufen.
In der ergotherapeutischen Behandlung werden Kinder begleitet und unterstützt, die Probleme in der Grob- und feinmotorischen Koordination haben, eingeschränkte Fähigkeiten in der Bewegungs- und Handlungsplanung besitzen, die Verhaltens- und Interaktionsprobleme im sozialen Umfeld haben sowie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme. Sie versuchen die Kinder an Maltätigkeiten und Bastelarbeiten heranzuführen.
In der logopädischen Behandlung geht es um Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen von Kindern. Aufgrund von prä-, peri- und/oder postnatalen Schädigungen des Kindes kann es zu Störungen in der Sprachentwicklung kommen, die in unterschiedlichen Graden ausgeprägt sein kann. Dabei ist „Sprache“ in Korrelation zur Entwicklung von Kognition, Sensomotorik (Wahrnehmung) und Grob- und Feinmotorik als ganzheitliches System zu betrachten.
Beeinträchtigungen in einem dieser oben genannten Bereiche können zu Symptomen auf der sprachlichen Ebene führen. Dabei geht es von Geburt an mit Stillen, Kauen, Sprachverständnis, Rhythmik, Brabbeln und ersten Wörter los und später über Sätze, Instruktionsverständnis und Zahlenbegriffsentwicklung/ Rechtschreibung weiter, denn man lernt nie aus!
Für jedes Störungsbild gibt es verschiedene Therapieansätze, die für jedes Kind separat ausgewählt und durchgeführt werden. Das Wichtigste an der logopädischen Therapie ist der Spaß, denn nur Dinge, die Spaß machen, bleiben länger im Langzeitgedächtnis verankert.
Frühförderung wird zur interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen, die all diese Leistungen als Gesamtheit summiert. (vgl. Sohns)
verfasst von F. Weiß & J. Fricke